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25. November 2012

Grußbotschaft anlässlich des Gedenkgottesdienstes von Kirche PositHIV zum Welt-Aids-Tag am Sonntag, den 25. November 2012 in der Evangelischen Kirche am Lietzensee

"Es hat in diesem Jahr wieder viele Ereignisse und Initiativen gegeben, um die Arbeit von Kirche PositHIV bei einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen und um Unterstützung für die Seelsorge für von AIDS und HIV betroffenen Menschen, für ihre Familien, Angehörige und Freunde zu werben. Diese über das Jahr hinweg von unterschiedlicher Seite erfahrene Solidarität wird dieser Tage besonders sichtbar,wenn wieder mehr Menschen eine rote Schleife tragen, das bekannte Zeichen des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember und ein Symbol der Mitmenschlichkeit.

Hoffentlich nicht nur an diesem Tag erinnern wir uns der Tatsache: Es sind immer noch zu viele, die sterben, weil sie keinen Zugang zu Medikamenten haben, zu viele, die sich neu infizieren, zu viele, die mit der Bedrohung leben. Von Jahr zu Jahr ist dieser Tag Herausforderung und Verpflichtung zugleich.

Für uns Christenmenschen gibt der Welt-AIDS-Tag aber auch Anlass, nach dem eigenen Umgang mit Menschen zu fragen, die mit HIV und Aids bei uns und mit uns leben. Aids oder HIV haben nach Meinung vieler immer die “Anderen“ , es ist gar weit weg in Afrika. Doch ein von HIV oder AIDS Betroffener findet sich auch in den Gemeinden, in der Kirchenbank neben uns. Deshalb ist Kirche auch Gemeinschaft, in der sich Gesunde und Kranke, von HIV/AIDS direkt und indirekt Betroffene als Glieder des Leibes Jesu Christi mit gleichem Wert und gleicher Würde annehmen und einander unterstützen sollten.

Gott verleiht uns Menschen die gleiche Würde, egal ob wir schön oder weniger hübsch, erfolgreich, gesund oder krank sind, egal welcher sexuellen Orientierung wir sind. An alle geht Gottes Ermutigung, gar Aufforderung, sich immer wieder neu auf den Weg des Lebens zu machen. Diese Überzeugung sollten Christen auch in die Gesellschaft hineintragen.

Die Aufmerksamkeit für HIV und AIDS ist leider zurückgegangen. Therapiemöglichkeiten wiegen einerseits in falscher Sicherheit . Vergessen wird, dass Kranke oft in ihren Lebensmöglichkeiten eingeschränkt, gar sozial ausgegrenzt sind. Andere leben trotz Krankheit gut, gehen sogar ihrem Beruf nach. Doch hier frisst oft die Angst vor Nachteilen für Karriere und beim Umgang am Arbeitsplatz das schöne Lebensgefühl.

Zur Wahrheit gehört: HIV und AIDS verweisen auf gesellschaftliche Tabus. Die tägliche Arbeit von Kirche PositHIV zeigt:die Auseinandersetzung mit Fragen der sexuellen Orientierung, mit Fragen des Selbstbestimmungsrechts von Mann und Frau, mit Drogenabhängigkeit, Ausbeutung und sexueller Gewalt beim Thema ist nötig. Als Aids aufkam, schien es zunächst die Krankheit von Homosexuellen zu sein. Jetzt weiß man: Ansteckung, Leichtsinn und unverantwortliches Handeln sind weit verbreitet. Aufgeklärtes Verhalten ist gefragt. Dazu müssen Christenmenschen überall auf der Welt einen Beitrag leisten.

Menschen mit HIV und Aids, ihre Familien und Freunde erwarten Solidarität, Gemeinschaft, Gespräche und persönlichen Kontakt. Wir Christen stehen in der Pflicht, alle Menschen vorurteilsfrei anzunehmen, ihnen mit der Nächstenliebe zu begegnen, die der Auftrag Jesu ist, und ihnen somit den Raum zu geben, um angstfrei und ohne Anfeindung leben zu können. Hierbei ist Ermutigung und Ermunterung zum Leben etwas sehr Wichtiges. Diese Botschaft gilt für alle. In diesem Sinne danke ich den Engagierten, Freuden und Förderern von Kirche PositHIV für ihre wertvolle Arbeit und ihr Vertrauen ins Leben."