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1. März 2013

© BWBS/Eric Strelow

Bildrechte: BWBS/Eric Strelow

 

Willy Brandt Lecture 2013 mit Staatspräsident Giorgio Napolitano

Sehr geehrter Herr Staatspräsident,

lieber Egon Bahr,

verehrte Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundestag,

meine sehr geehrten Damen und Herren!

 

Als Vorsitzender des Kuratoriums der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung heiße auch ich Sie zur Willy Brandt Lecture 2013 herzlich Willkommen! Für die Erinnerung an Willy Brandt ist dies ein besonderes Jahr: Am 18. Dezember feiern wir den 100. Geburtstag des großen Staatsmannes und Friedensnobelpreisträgers. Die heutige Veranstaltung ist zweifellos ein erster Höhepunkt in unserem Gedenkprogramm.

 

Sehr geehrter Herr Staatspräsident,

 

wir sind dankbar dafür, dass Sie in diesen Tagen, wo Sie in Rom so sehr gebraucht werden, nach Berlin gekommen sind und zu uns sprechen werden.

 

Mit Ihnen haben wir nicht nur einen herausragenden Kämpfer für soziale Demokratie und für ein geeintes Europa zu Gast, sondern auch einen wichtigen und hochinteressanten Zeitzeugen: Sie haben noch mit Willy Brandt zusammengearbeitet, als er Präsident der Sozialistischen Internationale war und ein Vorbild für viele sozialdemokratische und sozialistische Parteien in der ganzen Welt.

 

Vergleicht man Ihren und Willy Brandts politischen Lebenslauf, so sticht sehr früh eine Gemeinsamkeit hervor: Sie haben beide dem Faschismus aktiv Widerstand geleistet und dabei große Risiken auf sich genommen. Während Willy Brandt ab 1933 von seinem norwegischen und später schwedischen Exil aus den Widerstand gegen Hitler organisierte, gründeten Sie 1942 als junger Jura-Student an der Universität Neapel eine antifaschistische Widerstandsgruppe.

 

1945, nach dem Kriegsende in Europa, traten Sie der Kommunistischen Partei Italiens bei und wurden eine der einflussreichsten Persönlichkeiten des PCI. Dabei galten Sie stets als Anhänger des gemäßigten, zunehmend sozialdemokratisch-orientierten Flügels.

 

Die ersten Gesprächskontakte zwischen SPD und PCI reichen bereits in die Mitte der 60er Jahre zurück, als Willy Brandt den Parteivorsitz der SPD übernommen hatte. Als Bundeskanzler und auch später hat Brandt den Reformprozess des PCI weiter unterstützt. Es war damals Ihr politisches Ziel, Herr Staatspräsident, die Kommunistische Partei Italiens auf einen unumkehrbaren reformerischen Kurs zu bringen. Willy Brandt hatte das klar erkannt. Natürlich wusste er dabei um die noch bestehenden ideologischen Gegensätze. Doch viel früher als andere war Willy Brandt bereit, den Differenzierungsprozess innerhalb der Lager der kommunistischen Welt zur Kenntnis zu nehmen. Und trotz aller Kritik ließen sich Brandt und seine Mitstreiter nicht beirren. Sie vertrauten weiter auf die Wandlung des PCI nach Europa hin.

 

Es berührt mich, dass Sie Ende der 80er Jahre einmal in einem Interview mit der ZEIT gesagt haben, dass Sie Ihre Hinwendung zur Sozialdemokratie Ihrem Freunde Willy Brandt verdanken.

 

Sehr geehrter Herr Staatspräsident,

 

seit vielen Jahren sind Sie eine moralische Instanz in der italienischen Politik. Im Mai 2006 zum Staatsoberhaupt gewählt, haben Sie Ihr Land mit Klugheit und Augenmaß, mit Ihrer hohen Autorität und persönlichen Integrität durch schwierige Jahre geführt.

 

Sie waren immer ein überzeugter Europäer – auch das verband Sie von Anbeginn mit Willy Brandt. Und das verbindet Sie bis heute mit denen, die in Deutschland politische Verantwortung tragen. Sie haben Ihr Land auch in Zeiten währungs- und wirtschaftspolitischer Turbulenzen beharrlich auf diesem pro-europäischen Kurs gehalten.

 

Es ist Ihre Überzeugung: Deutschland und Italien müssen an einem Strang ziehen, wenn die Europäische Union die notwendigen Schritte nach vorn machen will, um neue Handlungsfähigkeit zu gewinnen. Den aktuellen politischen Herausforderungen in Europa ist auch Ihr heutiger Vortrag gewidmet.

 

Herr Staatspräsident,

 

es ist eine hohe Ehre für uns, dass Sie die Willy Brandt Lecture 2013 an der Humboldt-Universität halten.

 

Ich bitte Sie, das Wort zu ergreifen.

Herzlichen Dank!